Chronik
Unsere Loge von 1907 bis heute
Neun Brüder, zwei Weltkriege, ein Verbot, ein Neubeginn – und eine Bruderkette, die bis heute hält.
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1907
Wie alles begann
Am 19. Juni 1907 stiften neun Brüder aus Schöneberg in einer Wohnung in der Belziger Straße die Johannisloge „Am Berge der Schönheit“. Die neue Loge wird in die Bundesmatrikel unter der Nummer 581a eingetragen. Am 15. September desselben Jahres entzündet Gründungsmeister Br. Adolf Rothenbücher die Kerzen der Weisheit, der Schönheit und der Stärke.
In seiner Weiherede zeichnet er das Idealbild eines Freimaurers: strenge sittliche Grundsätze und zugleich Empfänglichkeit für das Schöne, Adel der Gesinnung und Zartheit des Gefühls, Feuer und Selbstbeherrschung, Ernst und Milde, Würde und Anmut. Ihn leite, so schließt er, „der entzückende Traum, dass einst auf dem Berge der Zukunft ein Hirt und eine Herde, die ganze Menschheit von dem innigen Bande des Friedens, der Freude und der Einigkeit umschlungen sein werde“. Bis 1915 leitet er die Loge.
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1914–1932
Zwischen Krieg und Inflation
Der Erste Weltkrieg und die Inflationszeit beeinträchtigen das Logenleben. In den Jahren danach zeigt sich, dass in dieser Zeit politischer und wirtschaftlicher Unruhen viele Menschen in unserem Tempel inneren Frieden und besinnliche Einkehr suchen: In einer widersprüchlichen Zeit wächst die Sehnsucht nach Ruhe, nach zeitlosen Werten und nach herzlicher Zuwendung im vertrauten Kreis. 1927 zählt die Bauhütte 131 Mitglieder und blüht auch in den folgenden fünf Jahren; noch 1932, im 25. Jahr ihres Bestehens, sind es rund 130.
Von 1915 bis 1935 leitet Wilhelm Lohmann die Loge. Durch seine vorbildliche Persönlichkeit zieht er viele Brüder an: Von seinem Wesen und Wirken gehen geistige und seelische Dynamik aus, verbunden mit Reinheit der Seele, Sauberkeit der Gesinnung und tiefer Herzensgüte. Die Großloge würdigt ihn mit der Wahl zum zugeordneten Nationalgroßmeister.
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1935
Verbot und Auflösung
In der Zeit des Nationalsozialismus werden alle Logen aufgelöst, ihre Häuser beraubt und ihre Tempel verwüstet. Die Ausschreitungen gehen mit einer Flut von Verleumdungen und Beschimpfungen der Freimaurerei einher. Sie treffen viele Brüder umso härter, als sie – patriotisch und national eingestellt – vom deutschen Faschismus Besseres erhofft hatten. Doch Dogmatismus und Fanatismus auf der einen und Toleranz auf der anderen Seite schließen sich gegenseitig aus.
Mit dem Verbot vom 4. März 1935 beginnt die Liquidation der deutschen Freimaurerei; am 21. Juli des Jahres muss sich auch unsere Bauhütte auflösen. Auch alle Akten und Dokumente der Loge werden weggenommen – darunter die Stiftungsurkunde. Das von den Brüdern so sehr geliebte Logenhaus in der Splittgerbergasse zerstört später der Krieg.
Zwölf Jahre lang werden Menschenleben und Menschenwürde gering geachtet. Freimaurer gelten als „Dunkelmänner“ und „unsichere Kantonisten“, sie werden verfolgt, gedemütigt und lächerlich gemacht. Selbständige erhalten keine öffentlichen Aufträge mehr, Beamte werden nicht befördert, und viele Freimaurer in Deutschland werden ins Gefängnis geworfen oder in Konzentrationslager eingewiesen.
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1935–1945
Der „Stammtisch Gottwald“
Trotz drohender Verhaftung und steter Bespitzelung trifft sich in den dunklen Jahren ein kleiner Kreis standhafter Brüder zum sogenannten „Stammtisch Gottwald“. In Gesprächen und Ausflügen und in stiller Feier des Johannis- und Weihnachtsfestes bewahren sie die alte Verbundenheit.
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1946
Neubeginn
Dem unbeirrbaren Glauben dieser Brüder, dass eines Tages das Licht in unserem Tempel wieder leuchten würde, ist es zu verdanken, dass die Loge gleich nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Lebenskraft wieder unter Beweis stellt. In der Eisenacher Straße führen am 2. August 1946 die vereinigten Logen „Blücher von Wahlstatt“, „Am Berge der Schönheit“, „Zu den drei Lilien“ und „Zum schwarzen Adler“ ihre erste gemeinsame Arbeit durch.
Die Brüder nehmen damals oft stundenweite Fußmärsche in Kauf. Bei rußenden Kerzen und dünner Wassersuppe finden sie zusammen und genießen es, ihre Arbeiten wieder ritualmäßig in brüderlicher Gemeinschaft durchführen zu können.
Für die Jahre des Verbots nennt die Meisterliste der Loge keinen Namen; ab 1946 leitet Fritz Burkhardt die Loge. Trotz – oder gerade wegen – der Schwierigkeiten und Nöte der Nachkriegszeit nimmt die Mitgliederzahl rasch zu.
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1949
Logenhaus in Steglitz
Am 12. Februar 1949 findet unsere erste Arbeit im neuen Logenhaus in der Ahornstraße 15a in Steglitz statt. Die Johannislogen erstarken und verselbständigen sich wieder; 1951 zählt unsere Bauhütte 68 Mitglieder.
Von 1949 bis 1953 leitet Alfred Gottwald die Loge.
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1950
Neue Stiftungsurkunde
Die Stiftungsurkunde von 1907 ging verloren, als der Loge 1935 alle Akten und Dokumente weggenommen wurden. Am 5. Mai 1950 erhält die Loge eine neue Urkunde. Sie bestätigt die Stiftung am 19. Juni 1907 und die Eintragung in die Bundesmatrikel unter der Nummer 581a.
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1957
Fünfzig Jahre – die Loge blüht
Zum 50. Stiftungsfest ist die Bauhütte wieder auf über 60 Mitglieder angewachsen, und keiner von ihnen bleibt den Arbeiten unentschuldigt fern. Die behandelten Themen zeugen von hohem geistigem Niveau, die Brüder verbindet ungetrübte Herzlichkeit, und die Beamten der Loge arbeiten mit beispielhafter Zuverlässigkeit. Die Loge blüht und tut in aller Stille viel Gutes. Mit dem Umzug in die Heerstraße 28 gewinnt sie wenig später wieder ein eigenes Haus und blickt voller Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft.
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1958
Heerstraße 28
1958 beziehen wir gemeinsam mit der Großloge das heutige Logenhaus in der Heerstraße 28 in Charlottenburg.
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Seit 1957
Stürmische Jahre
In den Jahren nach dem 50. Stiftungsfest macht sich in unserer Loge eine unheilvolle Tendenz zur Zerrissenheit bemerkbar. Der Austritt einiger der bewährtesten Brüder schädigt die Bauhütte schwer, andere gehen in den ewigen Osten ein, manche wandern in die Bundesrepublik ab oder schließen sich anderen Gemeinschaften an. Auch der verhältnismäßig häufige Wechsel im Amt des Meisters vom Stuhl wirkt sich ungünstig aus. Mitgliederzahl, geistiges Niveau der Arbeiten und Disziplin sinken, unbrüderliche Querelen drohen manches Mal, die Kette zu sprengen. Dass sich trotz allem eine gewisse Konsolidierung abzeichnet, spricht für die innere Kraft der Freimaurerei und für die Standhaftigkeit einiger treuer Brüder.
Zeitweise kommen zu den Arbeiten immer dieselben 18 Brüder – das zeugt vom Lebenswillen der Loge –, und die verhältnismäßig große Zahl der Lehrlinge lässt Gutes für die Zukunft hoffen. Gemeinsame Reisen, besonders die nach Wien, festigen die Kette der Logengemeinschaft.
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1982
75 Jahre – eine kleine Gruppe von Männern
Zum 75. Stiftungsfest sieht die Loge eine zerrissene, gefährdete Welt: die Bedrohung durch immer furchtbarere Waffen, die Zerstörung der natürlichen Umwelt, wachsende Arbeitslosigkeit, Angst und Resignation. Ihre Antwort ist bescheiden: In dieser Zeit sei die Loge „eine sehr kleine Gruppe von Männern“, die – ohne großen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte – das Gute wollen, still an sich arbeiten und auf die Ausstrahlung ihrer Taten hoffen.
Sie ist damit nicht allein: Tausende in vielen Ländern stehen mit ihr in der geistigen Kette und treten nach ihren Fähigkeiten für Humanität und brüderliche Liebe ein. Deshalb, so mahnt die Chronik, kommt es auf jeden Einzelnen an – Trägheit und Lässigkeit sind in einer gefährdeten Zeit verantwortungslos.
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Nach 1990
Wiedervereinigung
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands ändern sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Brüder ziehen aus beruflichen Gründen in andere Bundesländer, was die Loge einen Aderlass kostet – zu den Brüdern, die in den ewigen Osten eingehen, kommt dieser Verlust noch hinzu.
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1992–1993
Licht für Brandenburg
Nach dem Fall der Mauer regt die Großloge an, ehemalige Logen in den neuen Bundesländern wieder zu erwecken, und unsere Loge greift diesen Gedanken auf. Am 5. November 1992 beschließt eine Meisterversammlung einstimmig, die Patenschaft für die Loge „Friedrich zur Tugend“ in Brandenburg an der Havel zu übernehmen – eine mehr als 200 Jahre alte Loge, die nun nach langer „Zeit der Dunkelheit“ wieder eröffnet werden soll. Elf Brüder Meister erklären sich bereit, als Gründungsmitglieder mitzuwirken.
Nach Kontakt mit der Brandenburger Stadtverwaltung finden in den folgenden Monaten viele Veranstaltungen zur Öffentlichkeitsarbeit statt, mit erfreulicher Resonanz interessierter Herren. Am 13. Juni 1993 kann das freimaurerische Licht in Anwesenheit des Nationalgroßmeisters und des Oberbürgermeisters wieder angezündet werden; in den folgenden Monaten werden eine stattliche Anzahl von Aufnahmen durchgeführt. Seither arbeitet die Loge „Friedrich zur Tugend“ als unsere Patenloge eigenständig, erfolgreich und mit viel Elan und wirkt auch freimaurerisch nach außen.
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2007
Hundert Jahre
Zum 100. Stiftungsfest blickt die Loge in eine bewegte Zeit zurück, in der auch das „Logenschiff“ stark ins Schlingern geriet – bis hin zu den dunklen Jahren der NS-Herrschaft, in denen die Loge verboten und die Bruderschaft in alle Winde verstreut wurde. Der damalige Meister vom Stuhl fragt im Geleitwort der Festschrift: Zeigt nicht der Neubeginn nach Krieg und Verfolgung, der nur durch das Engagement vorbildlicher Brüder möglich war, wie unzerstörbar der Gedanke der Freimaurerei ist?
Solange sich in einer Zeit von Werteverlust, Vereinsamung und Unmenschlichkeit Männer finden, die sich mit den Idealen der Humanität identifizieren und diese in die Öffentlichkeit tragen, sei um den Fortbestand des Bundes nicht zu fürchten – so seine Zuversicht. Und der Wahlspruch der Loge, „Der Seele Schönheit ist die Liebe“, soll nicht nur Formel sein, sondern gelebt werden. Trotz aller politischen Unruhen befindet sich die Bauhütte 2007 in einer erfreulichen und harmonischen Wachstumsphase.
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April 2007
Zu Gast bei Brüdern in Posen
Vom 13. bis 15. April 2007 reist eine Abordnung unserer Loge zu den Brüdern nach Posen (Poznań). Anlass ist der Wunsch, das alte Logenhaus und die Universitätsbibliothek zu besichtigen, in der ein großer Teil der im Zweiten Weltkrieg ausgelagerten freimaurerischen Literatur liegt. Den Kontakt zu den polnischen Brüdern stellt die Großloge in Warschau her; sie empfangen die Gäste herzlich wie lang vermisste alte Freunde.
Am Sonntagmorgen sind die Berliner Brüder zu einer Tempelarbeit eingeladen. Der Tempel der Posener Brüder ist eine eigens gemietete Wohnung in einem Plattenbau-Hochhaus, zum Teil mit einfachsten Mitteln liebevoll bemalt, geschmückt und ausgestattet – und doch fühlen sich die Gäste durch das Ritual an einem heiligen Ort von besonderer Schönheit. Zum Zeichen ihrer Dankbarkeit und brüderlichen Verbundenheit überreichen sie ihr Logenbijou. „Es war uns allen eine große Ehre, mit diesen Brüdern in die Kette zu treten.“ Die Reise soll der Grundstein für weitere gemeinsame Arbeiten sein.
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Heute
Konstruktive Harmonie
Unser soziales Engagement wird nicht nur durch Spenden unterstrichen, sondern auch innerhalb der Loge gelebt – zum Vorteil der gesamten Bauhütte. Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit erreichen wir einen gesunden Zuwachs der Bruderschaft. Das heutige Flair ist geprägt durch eine konstruktive Harmonie.
Wenn alle Brüder den Wahlspruch unserer Loge „Der Seele Schönheit ist die Liebe“ recht verstehen und danach handeln, werden wir jede Klippe umschiffen können. Jede Loge ist immer nur so viel wert, wie ihre Brüder bereit sind, für sie zu opfern.
Nimm dir Zeit für die Loge, sonst nimmt die Zeit dir deine Loge.
Suchender?
Schreiben Sie uns – wir freuen uns auf Sie.
Haben Sie Interesse an einem Gästeabend oder an einer öffentlichen Veranstaltung? Brüder, Suchende, Gäste und Interessierte sind uns willkommen.